Ein Seglerleben

Schwalbe

Mein erster Segeltörn 1954 auf dem Zwischenahner Meer.

Mein erster Segeltörn 1954
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Es handelte sich um ein Paddelboot, das meinem Bruder gehörte. Die Schwalbe war ein Rundspanter, recht breit und lag sehr stabil im Wasser. Zunächst hatten wir ein Gaffelsegel. Da ein kreuzen nicht möglich war, mussten Seitenschwerter angebracht werden. Zur Optimierung wurde noch eine Fock installiert.

Inzwischen hat mich die Begeisterung für das Segeln gepackt. Beim ZSK lief ein Kurs zum Segelschein. Daran nahm ich teil und lernte wie ein Segel funktioniert. Als die Prüfung nahte sollte eine Spende für einen Poller der Steganlage bezahlt werden. Taschengeld hatte ich keins. Meine Eltern mochte ich nicht fragen, die hatten genug zu tun um uns satt zu kriegen. Also gab es keinen Segelschein.

Das neue Segel
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Der Ehrgeiz hatte mich gepackt, es musste alles besser und vor allen Dingen schneller werden. Ich konnte meinen Vater überzeugen einen leichten Hohlzmast mit Nut zu basteln. Meine Mutter schloss sich an und nähte ein Segel mit Segellatten nach meinen Angaben. Es wurde ein Hochtakelung angefertigt. Jetzt reichten die Seitenschwerter nicht mehr aus. Ein Schwert wurde konstruiert, das seitlich geklappt werden konnte und mit Draht fixiert wurde. Diese Konstruktion bewerte sich hervorragend. Bei günstigem halbem Wind konnte ich mit einem Piraten mithalten. Dies war wahrscheinlich möglich weil das Boot verhältnismäßig lang und schmal war.

Durch die Ausbildung und dem nachfolgenden Einsatz im Beruf, war eine Unterbrechung meiner Segelei zwangsläufig.

Floh, eine kleine Jolle
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Floh

Nach Rückkehr an das Zwischenahner Meer und Einverständnis der jungen Familie wurde eine kleine Jolle günstig erstanden. Das Seglerleben begann neu! Wenn die Familie es erlaubte, war ich auf dem See. Und es kam, wie es kommen musste, Ostern kenterte ich. Es war kalt und sehr windig. Der Mast steckte im Schlick. Der leichte Rumpf ragte sehr hoch aus dem Wasser und bot dem Wind eine große Angriffsfläche. Mehrmals drehte ich schwimmend den Rumpf so in den Wind, dass ich mit dessen Hilfe das Boot aufrichten konnte. Es war sehr instabil. Beim reinklettern kenterte es jedes mal. In dem kalten Wasser ließen mein Kräfte sehr schnell nach. Wirklich, mit letzter Kraft schaffte ich es auf das Schwert zu klettern. Dort blieb ich sitzen. Nach einiger Zeit kam die DLRG und bracht mich samt Boot in Sicherheit.

 

So kommt ein Segler nach einem Wochenendtörn nach Hause
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Durch einen Arbeitsplatzwechsel bekam ich Kontakt zu Kollegen, die Ambitionen zum Seesegeln hatten. Hier gab es Mitfahrgelegenheiten. Und es gab einen Kollegen, der ein kleines Kajütsegelboot aber keine Segelpraxis hatte. Der brauchte mich, zumindest am Anfang. Auf diese Art kam ich langsam an die Segelei auf Weser und Nordsee.

Bislang war es möglich außerhalb der Ferienzeiten Urlaub zu machen. Es gab keine Probleme mit Quartieren. Nun kam meine Tochter in die Schule. Wir waren auf die Schulferien angewiesen. Ein Quartier schon ein Jahr im Voraus zu buchen geht mir einfach gegen den Strich. Die ersten Schulferien verbrachten wir in Holland mit der Zielsetzung ein Boot zu finden, auf dem die Familie Platz hat und wir auf einem Trailer eine ordentliche Zeltausrüstung mitnehmen konnten. Wir mieteten Boote für Tagestouren und fanden auch eins, das uns passend erschien. Nach Zusammenstellung der Kosten ergab sich eine ganz erhebliche Summe. Jetzt kamen meine lieben Kollegen mit ihren Kajütbooten wieder ins Spiel. Wir erkundigten uns nach solchen Booten. Die Neptun-Werft machte uns ein Angebot für eine segelfertige Neptun 22, dass günstiger war als unser ursprünglicher Traum. Für einen Trailer reichte es nicht mehr. Es fehlte auch an dem entsprechenden Zugfahrzeug. Hier halfen liebe Kameraden des OYC aus. Im Winterhalbjahr wurde die Neptun innen ausgebaut. Gleichzeitig wurden beim OYC die notwendigen Führerscheine gemacht. Die neue Epoche des Segelns begann!

Mausi

In Holland Groningen
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Unsere erste Urlaubsreise ging nach Holland. Auf den Friesischen Seen hat sich die Familie schnell an diese neue Art Urlaub gewöhnt und war begeistert. Auf der Rückfahrt erwischte uns auf der Ems eine steife Brise. Die Kinder waren im Vorschiff und flogen in den Wellen bis unter die Decke. Sie fanden es lustig, nur Mama war nicht so begeistert. In einer Kurve ankerte ein Zollkreuzer. Wir wurden unmissverständlich aufgefordert längsseits zu kommen. Mama regte sich schrecklich auf, bei diesem Wetter. Die eingespielte Mannschaft half im ruhigeren Wasser des Zollkreuzers die Pfänder und Leinen auszubringen. Mama wurde vorsichtshalber unter Deck geschickt. Die Kinder fanden es interessant und durften sogar mit auf den Zollkreuzer. Es lief alles ohne Probleme und ohne Kontrolle des Schiffes ab.

Trockenfallen im Watt
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Jetzt waren wir eine eingespielte Mannschaft und konnten uns auch ins Wattenmeer zu den Ostfriesischen Inseln trauen. Wir hatten zwei Pfänderbretter, die so auf Länge geschnitten waren, dass sie als Stützen beim Trockenfallen geeignet waren. So abgestützt stand das Schiff, abgesehen von der Phase des trockenfallens, sehr stabil. Weil das Ruderblatt hochgezogen werden musste und auch nicht stabil genug war, sackte das Schiff manchmal nach hinten weg. Das Segeln im flachen Watt bei hochgezogenem Schwert und Ruder war sehr schlecht. Es lastete ein gewaltiger Druck auf dem Ruder. Dies führte zu der Überlegung ein stabiles Ruderblatt zu

Das stabile Ruder
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bauen, dessen Tiefe nicht über den Kiel hinaus geht. Um die gleiche Ruderfläche zu erhalten musste das Ruderblatt breiter werden. Es wurde wasserfestes Sperrholz zusammengeleimt. Das Ruder wurde so ausgeschnitten das ca. 1/3 der Ruderfläche vor dem Drehpunkt lag. Es wurde ein Profil gehobelt. Der fordere Bereich abgerundet bis kurz vor den Drehpunkt, ab da flach nach hinten auslaufend. Das segeln hiermit funktionierte hervorragend auch bei hochgezogenem Schwert. Einziges Problem bei sehr viel Schräglage reichte die Fläche im Wasser nicht mehr aus. Aber auch dann gab es keine großen Schwierigkeiten. Dass Schiff drehte in den Wind und richtete sich wieder auf.

Anakonda

Der Anspruch stieg und aus „Mausi“ (Neptun 22) wurde „Anakonda“ (emka 31). So verändert sich das Leben von der Mausi zur Würgeschlange. Der Schiffsname „Anakonda“ wurde übrigens einstimmig im Familienrat beschlossen.

In voller Fahrt
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Ein Schiff an dem wir sehr viel Freude hatten und mit dem wir schöne Reisen unternommen haben. Wie man an den Bildern sehen kann, habe ich eine Windfahnensteuerung installiert und alles für das Einhandsegeln eingerichtet. Bei einer solchen Fahrt, Windstärke 6 auf der Ostsee brach eine Verbindung des Hauptschott. Es war ein schöner Segeltag, das Schiff lief völlig kontrolliert und ausgeglichen mit gut getrimmten Segeln. Mehr durch Zufall ging ich unter Deck um zu kontrollieren ob noch alles in Ordnung ist. Da sah ich die Bruchstelle an der Verbindungsstelle am Boden des Durchgangs im Hauptschott. Der Boden bewegte sich in jeder Welle sehr heftig. Sofort habe ich das Großsegel gefiert. Die Bewegung nahm nur geringfügig ab. Danach habe ich beigedreht und alle Segel geborgen. Die Überlegung war, in den Schutz von

Die Windfahnensteuerung
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Fehmarn zu fahren um dann Heiligenhafen anzulaufen. Ich wusste das dort eine Werft ist. Den Motor an und Kurs Richtung Fehmarn. Leider ging es nur sehr langsam, denn in dem starken Seegang kam die Schiffsschraube immer wieder aus dem Wasser. Die Geschwindigkeit musste so stark gedrosselt werden, dass die Steuerfähigkeit gerade noch gegeben war. Es dauerte Stunden.

Das verstärkt Schott
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Nach Erholung und Stärkung habe ich die Werft aufgesucht. Dort erhielt ich die Anschrift von einem jungen Schiffsbauingenieur. Er war bereit sich den Schaden anzusehen und erklärte mir, dass der Bodenbereich, auf dem die Maststütze steht, nicht stabil genug sei. Bis zu einer Windstärke von 5 könnte ich das Schiff in diesem Sommer benutzten. Der Bodenbereich der Maststütze wird bis zum doppelten Gewicht des Schiffes, in meinem Fall 6 bis 7 Tonnen, belastet. Die Maststütze sollte ausgebaut werden und ein Stahlträger, der mit den Püttingeisen verschweißt ist, in den Bodenbereich einlaminiert werden. Es muss eine feste Verbindung zwischen Rumpf und Eisen hergestellt werden. Der Durchgang sollte verstärkt werden (wie im Bild zu sehen). Hierbei sollten die oben und unten eingesetzten Sperrholzplatten durch Zapfe mit dem vorhanden Schott verbunden werden, so dass eine Verschiebung nicht mehr möglich ist. Das ganze sollte mit einem stabilen runden Rahmen abgeschlossen werden. Diese Arbeiten wurden im folgenden Winter durchgeführt. Ein toller Erfolg! Das Schiff war noch nie so steif wie nach diesen Arbeiten. Das Leewant gab nicht mehr nach.

Meine Frau kam in Stralsund an Bord und war begeistert ohne jedes Risiko, nur bei wenig Wind zu fahren. Wir haben sorgfältig die Wetterberichte studiert und sind wohlbehalten nach Hause gekommen.

Unterwegs habe ich verschiedene Segler angesprochen und ihnen mein Problem geschildert. Hierbei habe ich festgestellt, auch bei anderen Herstellern traten ähnliche Mängel auf. Ein Besitzer einer X-Yacht zeigte mir sein Problem. Nach den stabilen Polyester Schiffen am Anfang, hat man zur damaligen Zeit, das Material zu schwach gewählt. Bei der Neptun 22 war der Bodenbereich mindestens doppelt so stark, wenn nicht stärker als bei der Emka 31. Auch bei den Bavaria Schiffen hat man zu jener Zeit Stahlkonstruktionen für Maststütze, Kielverschraubung und Püttingeisen einlaminiert.

Baju

Schwer ist besonders mir der Abschied von der Anakonda gefallen. Das Motorboot Baju benutzen wir eigentlich wie eine schwimmende Ferienwohnung. Und es gefällt uns gut. Der Schiffsname wurde übrigens von meiner Frau

Der Schriftzug musste es sein
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ausgesucht. Sie hat es dem Buch „Blauwasserleben von Heike Dorsch“ entnommen. Bei dieser Reise wurde der Skipper auf der Südsee-Insel Nuku Hiva ermordet. Diese schreckliche Meldung ging damals um die ganze Welt. Natürlich musste der Schriftzug original nachempfunden werden.

Wenn man die Entwicklung der Schiffsnamen, von Mausi über Ankonda bis Baju, unserer Familienschiffe betrachtet, ist man geneigt dies auf die Ehe zu beziehen. Ich hoffe nur, dass dem Skipper dieser Baju nicht das gleiche Schicksal ereilt.